| Ilja Repin, einer der bedeutendsten Naturalisten seiner Zeit wurde in der Ukraine geboren. Nach seiner Ausbildung studierte und unterrichtete er an der Akademie in St. Petersburg und schloss sich 1878 einer Gruppe fortschrittlicher Künstler an, die sich für eine sozial engagierte Kunst einsetzte. Seine Darstellungen der Lebensumstände des russischen Volkes prangern das Zarenregime an und avancierten in der Mitte des 20. Jahrhunderts zum Vorbild des sowjetischen Realismus. In seiner Atelier-Datscha empfing der Maler zahlreiche prominente Zeitgenossen, etwa den Sänger Fjodor Schaljapin oder den Schriftsteller Maxim Gorki. Eine Eigenart seiner Gastfreundlichkeit war der Umstand, dass das Essen in seinem Hause auf einer drehbaren Tischplatte serviert wurde. Der exzentrische Gastgeber hasste es, bedient zu werden, und verlangte Selbständigkeit auch von seinen Gästen. Am Eingang seines Domizils forderte ein Schild jeden Besucher unmissverständlich auf: "Selbstbedienung! Ziehen Sie sich Mantel und Galoschen selbst aus! Öffnen Sie die Tür zum Speisezimmer selbst!" Einer anderen Eigenart verdanken wir zahlreiche Gruppenaufnahmen berühmter Repräsentanten der ersten Jahrzehnte des zwanzigsten Jahrhunderts: Repin pflegte sich gemeinsam mit seinen Gästen fotografieren zu lassen. Der zwischenzeitlich finnische Ort fiel 1939 wieder an Russland. Das Künstlerhaus, in dem bereits 1940 ein Repin-Museum eingerichtet wurde, wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Die Gemälde, persönliche Gegenstände und einzelne Möbelstücke konnten jedoch gerettet werden und nach dem Wiederaufbau des eigenwilligen Hauses konnte das Museum 1962 wiedereröffnet werden. Zahlreiche Werke und Malutensilien erinnern an die Bedeutung des in Deutschland zu Unrecht relativ unbekannten exzentrischen Malers, der nach seinem Tod im Garten seiner Atelier-Datscha beigesetzt wurde. |