| Seit Katharina I. 1718 den Sommerpalast errichten ließ, war Zarskoje Selo die Lieblingsresidenz der russischen Zaren. Hier befand sich das mythenumrankte Bernsteinzimmer, deren von Andreas Schlüter gestaltete Täfelung Friedrich Wilhelm I. 1717 Peter dem Großen schenkte. Im rechten Flügel des Schlosses, das heute das Puschkinmuseum beherbergt, besuchte Alexander Puschkin Anfang des 19. Jahrhunderts die Eliteschule für Jungen und schrieb seine ersten Gedichte. Die Residenz erstreckt auf einer Fläche von 600 ha, auf denen verschiedene Landschaftsgärten und Parks angelegt sind. Augenzeugenberichten aus dem Zweiten Weltkrieg zufolge soll sich im Palast ein persönliches "erotisches Zimmer" der Zarin Katharina der Großen befunden haben. Falls es tatsächlich existiert haben sollte, fiel es aber den Zerstörungen während des Krieges zum Opfer. Gesichert ist dagegen die Tatsache, dass die erste russische Eisenbahnlinie 1837 eröffnet wurde, um die herrschaftliche Familie zwischen dem Zentrum der Macht und ihrer Lieblingsresidenz hin und her zu fahren. Den Anstoß dazu gab der österreichische Ingenieur Franz Anton von Gerstner, der Zar Nikolaus I. 1835 den Vorschlag zur Einführung des neuen Verkehrsmittel im Zarenreich machte. Der genehmigte zunächst eine Versuchsstrecke zwischen St. Petersburg und Zarskoje Selo und weiter nach Pavlovsk. An der Endstation im vier Kilometer vom Katharinenpalast entfernt gelegenen Pavlovsk, hatte Zarin Katharina II. ihrem Sohn Paul ein ebenfalls etwa 600 ha großes Areal an den Ufern der Slavjanka geschenkt hatte, auf dem Ende des 18. Jahrhundert nach dem Vorbild englischer Gärten der bis heute größte Landschaftspark Europas angelegt worden war. Hier errichteten die Betreiber der Bahnstrecke nun einen Bahnhof, der das Konzept moderner Unterhaltungsparks vorwegnehmen sollte. Er beinhaltete einen Festsaal, Restaurant, Spielstätten und einen Garten. Im Sommer wurden Musiker von internationalem Ruf für Bahnhofskonzerte engagiert und der gesamte Komplex nach dem Vorbild des Musikpavillons der englischen Lady Jane Vaux "Vauxhall" benannt. Aufgrund des Erfolgs dieses ungewöhnlichen Bahnhofskonzepts heißen bis heute alle russischen Bahnhöfe "Voksal". |