| Unzählige barocke Adelspaläste und die verschwenderische Pracht von Sommerresidenzen zeugen heute noch oder wieder vom einstigen Reichtum des russischen Zarenreichs. Private Theater befriedigten darüber hinaus das Unterhaltungsbedürfnis der gesellschaftlichen Elite der Stadt. Ein typisches Beispiel für die St. Petersburger Adelspaläste ist der in den sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts von Vallin de la Mothe erbaute Jussupov-Palast. Er diente der Familie Jussupov als Galerie für ihre Gemäldesammlung und verfügt über ein kleines Theater, in dem 180 Personen Platz finden. Diese Familie gehörte bis 1917 zu den reichsten Adelsfamilien des Reiches, was sich im Interieur des Palastes am Moika-Fluß wiederspiegelt. Glücklicher Weise wurde das Gebäude nach der Revolution zum "Palast der Angestellten des Bildungswesens" ("Haus der Lehrer") erklärt, und weil die Pädagogen mit den Räumlichkeiten sorgsam umgingen, kann man die Pracht des Palastes noch heute auf sich wirken lassen. Berühmt wurde der Palast vor allem durch die Tatsache, dass der sagenumwobene Bauer und Mystiker Grigori Rasputin in diesem Hause vergiftet werden sollte. Als das nicht klappte, versuchte der junge Felix Jussupov erfolglos, ihn zu erschiessen. Rasputin entkam, wurde von seinen Verfolgern aber eingeholt, zusammengeschlagen und in den Fluss geworfen, wo er elend ertrank. Dem Polizeibericht zufolge füllten tausende von Menschen das Wasser, in dem die Wasserleiche des "Dieners des Antichristen" gefunden wurde, in Flaschen - in der Hoffnung, so etwas von der diabolischen Kraft des Ermordeten in sich aufnehmen zu können. |