St. Petersburg - die Stadt, die aus dem Nichts erstanden ist, verdankt ihre Existenz in der Wahrnehmung vieler Besucher, bevor diese sich vor Ort von ihrem realen Gegebensein überzeugen, der Literatur, die über sie verfasst worden ist. Andrej Belyjs, einer der Hauptvertreter des russischen Symbolismus beginnt seinen Roman "Petersburg", den er in den Jahren 1911 bis 1913 verfasst hat, denn auch mit der grundsätzlichen Frage: "Gibt es diese Stadt überhaupt? Oder ist Petersburg ein Hirngespinst? Auf dem Atlas ist die Stadt ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte. Und dieser mathematische Punkt, der keine Ausdehnung hat, verkündet energisch, dass Petersburg existiert: Diesem und keinem anderen Punkt entspringt der reißende Strom von Worten, die dieses Buch bilden, von diesem unsichtbaren Punkt gehen Rundschreiben nach allen Richtungen..."
Puschkin, der einer angesehenen russischen Adelsfamilie entstammte, besuchte seit seinem 12. Lebensjahr das Elite-Lyzeum in Sarsko Zelo. In seiner Ballade ‚Der eherne Reiter' verewigte er nicht nur die Reiterstatue Peters des Großen auf dem Schloßplatz, sondern beschwört auch das vielzitierte Motiv des vom Zaren aufgestoßenen "Fenster nach Europa". Während sich Puschkins Liebe zu St. Petersburg auf die wohlgeordnete klassische Architektur des Schloßplatzes konzentrierte, zog Dostojevskij gerade das ungeordnete an der Großstadt an, die ihm Brutstätte des Sinnlosen und Unmoralischen war. So spielen seine Romane in der Halb- und Unterwelt St. Petersburgs und schildern jene dunklen Seiten, die die meisten Besucher - auf der Suche nach vergangener Größe - nicht sehen wollen.
Wenn Sie dazu bereit sind, folgen Sie mit ihrem deutschsprachigen guide sowohl den Spuren, die Puschkin in sein literarisches Werk gewoben hat, als auch den Wegen der Romanhelden Dostojevskijs durch das Heumarktviertel und am Gibojedov-Kanal entlang. Erleben Sie auf diese vermittelte, aber keineswegs fiktionale Weise Licht und Schatten einer Stadt, die dem Schöpfungsmythos gleich aus dem Nichts entstanden ist, Ordnung ins Chaos und Licht ins Dunkle brachte. Einer Stadt, deren Lichter aber von Anfang an auch Schatten werfen, in denen die Un-Ordnung, das Irrationale und Unheimliche fortleben und in denen gleichsam die Seelen der bei ihrer Grundsteinlegung umgekommenen Arbeiter ihre Heimat finden.