| Schon Peter dem Großen war daran gelegen, das Musikleben in seiner Stadt auf westeuropäischem Niveau zu pflegen. Die ersten Opernaufführungen finden 1736 bei Hofe statt - und natürlich wird eine italienische Oper gegeben. Noch 1862 komponiert Verdi eigens für das kaiserlich-italienische Theater seine Oper "La forza del destino" und wird vom Publikum umjubelt und gefeiert. Aber die Zeiten sind schon im Wandel begriffen. Seit 1860 steht am Krjukova-Kanal mindgrün schimmernd eines der wichtigsten Musikgebäude der Stadt: das Mariinskij Theater. Seit seiner Eröffnung im Jahre 1860 gilt es nicht nur als das kulturelle Zentrum von St. Petersburg, sondern von ganz Russland. Von den St. Petersburgern liebevoll "Mariinka" genannt, beherbergt es die Crème de la Crème des klassischen Balletts - das Kirov Ballett. Seine Kaderschmiede, die Vaganova Ballettakademie, gilt als schier unerschöpfliche Quelle von Spitzentänzern. Und die Eröffnung des Mariinskij Theaters gerät zu einem Symbol der musikalischen nationalen Erhebung Russlands gegenüber der musikalischen Fremdherrschaft: Der erste Vorhang hebt sich für Mikhail Glinkas "Ein Leben für den Zaren", der musikalischen Verklärung des heldenhaften Todes des Bauern Sussanin, der eben dabei ist, seine Tochter unter die Haube zu bringen, als er sein Leben hingibt, um das des neuen Zaren zu schützen. |